Wer im Jahr 2016 in der Bundesrepublik einen Faltcaravan mieten möchte, der kommt im süddeutschen Raum nicht am Falterladen von Klaus Diederich vorbei. Eröffnet 2014 im baden-württembergischen Weil im Schönbuch, hat sich der Falterladen ganz der Campingpassion ‚Zeltanhänger‘ verschrieben. Nach dem Saisonhöhepunkt im Juli und August, bot der Oktober Klaus Diederich etwas Luft, um faltcaravaning.net ein Interview zu geben.

Klaus Diederich

faltcaravaning.net: Herr Diederich: seit wann verkaufen und vermieten Sie in Ihren Falterladen Zeltanhänger an Camping-Freunde?

Ich habe den Falterladen 2014 gegründet. Ursprünglich wollte ich vor allem Zeltanhänger vermieten. Seitdem ist eins zum anderen gekommen und mittlerweile verkaufen wir nicht nur Zeltanhänger, sondern ergänzen die Anhänger auch Küchenmodulen und anderen Ausbauten.

In einer Campingwelt, in der Wohnmobilen und Caravans dominieren: wie kam es dazu, dass Sie sich ausgerechnet auf Zeltanhänger spezialisiert haben?

Wir hatten, bevor ich den ersten Zeltanhänger gekauft habe, einige Jahre einen selbst ausgebauten T5 California Beach und waren auch schon einmal 3 Wochen mit einem gemieteten Wohnwagen quer durch Spanien unterwegs. Aus diesen Erfahrungen heraus war ich auf der Suche nach einem Gefährt, das man auf dem Campingplatz stehen lassen konnte, um mit dem Auto die Umgebung zu erkunden. Ausserdem sollte der Anhänger für lange Fahrstrecken leicht zu ziehen und kompakt genug sein, um auch die kleinsten Bergstrassen und Pässe fahren zu können. Nach dem Urlaub sollte alles problemlos in eine Garage passen, so dass man keinen teueren Stellplatz mieten muß. Der Falterladen ist dann aus der Begeisterung für Zeltanhänger heraus entstanden. Ohne Zeltanhänger hätte ich vielleicht nie eine Firma gegründet.

Was schätzen Sie persönlich an einem Campingurlaub mit dem Faltcaravan?

Wir haben den Falter – gepackt mit allen Küchen- und Campingutensilien – in der Garage stehen und sind für einen Wochenendtrip spontan mit ganz wenig Vorbereitung unterwegs. Am Urlaubsort geniessen wir dann den gegenüber einem Zelt viel höheren Comfort und das gute Bett mit ordentlicher Matratze. Weil man unter einem Zeltdach schläft, fühlt sich der Urlaub trotzdem noch richtig nach Camping an. Wenn wir Lust haben, weiter zu reisen, packen wir einfach unsere Sachen. Wir buchen eigentlich nie einen Stellplatz im voraus und sind so sehr flexibel. Unsere Falter sind hinsichtlich des Aufbaus sehr flexibel. Für eine Nacht steht das Hauptzelt in maximal 10 Minuten. Möchten wir Sonnenschutz, dann bauen wir nur das Vordach auf und hängen vielleicht eine Seitenwand des Vorzelts als Windschutz ein. Ist das Wetter kalt und ungemütlich, dann bauen wir für einen längeren Aufenthalt das Vorzelt komplett auf.

Sie beabsichtigen mit Ihrem Falterladen zum Jahreswechsel in eine neue Halle zu ziehen. Wie sind hierfür die genauen Pläne?

Unser Geschäft wächst seit Gründung kontinuierlich. Bisher war das Ganze eine echte Garagenfirma und wir waren bei Terminen mit Interessenten und der Übergabe der Vermietanhänger sehr vom Wetter abhängig. Zum Jahreswechsel ziehen wir in einen großzügigen Hallenneubau ein, in dem wir ca. 170qm als Fläche für eine permanente Ausstellung gemietet haben. Dann können unsere Kunden auch bei Schneetreiben und -10°C Aussentemperatur das Campinggefühl in einem Zeltanhänger erleben und wir haben die Möglichkeit die verschiedenen Modelle aufgebaut nebeneinander zu präsentieren. Wir werden immer 2-3 verschiedene Anhänger und natürlich auch die verschiedenen Ausbauoptionen vorführbereit haben. Wenn der Falterladen weiter wächst, können wir in dieser Halle jederzeit zusätzliche Fläche hinzumieten. So bleiben wir sehr flexibel.

Seit 2016 haben Sie neben Dingo-Tec auch CAMPWERK Modelle im Programm. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Praxis haben Sie bei den Faltern feststellen können?

Ich muss da ein wenig korrigieren. Wir führen Dingo-Tec seit der Übernahme durch Trigano nicht mehr. Die CAMPWERK Zeltanhänger, aber auch Dingo-Tec, Gordigear und 3Dog sind Zeltanhänger nach australischem Vorbild. Sie zeichnen sich aus meiner Sicht durch einen sehr schnellen Aufbau, eine überaus robuste und einfache Konstruktion und sehr viel Stauraum im Anhänger aus. Das Zelt ist als Zeltplattform ja auf dem Anhängerkasten montiert und dieser steht komplett als Stauraum zur Verfügung. Die Unterschiede zwischen den Herstellern liegen in den Details, sowohl in der Qualität des Anhänger, als auch in Material, Konstruktion und Verarbeitung der Zelte. Die CAMPWERK Zeltanhänger sind aus meiner Sicht besonders robust und solide konstruiert. Das Tropendach hilft sehr, die Temperatur im Zelt auch bei praller Sonne angenehm zu halten. Gerade beim großen Family Zelt ist das Konzept des Gestänges mit der Anbindung des 4ten Gestängebogens super gelöst, Auch bei starkem Regen gibt es nirgends Wassersäcke. Auch das Comfortgestänge ist eine große Erleichterung beim Auf- und Abbau.

Wie würden Sie den typischen Faltcaravan-Kunden beschreiben?

Ich weiss nicht, ob es den richtig typischen Faltcaravan-Kunden so gibt. Die Altersspanne meiner Kunden reicht von ca. 30 bis 70 Jahre. Einige Kunden kommen von Wohnwagen und Wohnmobilen. Sie wollen eine kompaktere Lösung mit mehr echtem Camping-Gefühl. Dann gibt es auch „Abenteurer“ die einen offroad-tauglichen Camper suchen. Und natürlich Familien mit Kindern, die das riesige Platzangebot und den vielen Stauraum schätzen. Allen gemeinsam ist vielleicht, das sie mehr Wert auf clevere Lösungen, Robustheit und einen Hauch von Abenteuer legen, als auf Chromapplikationen, Klimaanlage und Edelholzfurniere.

À propos Kunde: wie sah Ihre kurioseste Vermietung bzw. Ihr überraschenster Verkauf eines Falters aus?

Die spannendste Vermietung waren dieses Jahr zwei Frauen, die gemeinsam einen dreiwöchigen Reiseurlaub quer durch Frankreich gemacht haben. Die beiden haben den Standplatz so etwa alle zwei Tage gewechselt und sind beim Auf- und Abbau immer schneller geworden. Von den beiden habe ich dann ein Facebook Posting „Challenge accepted – 25 Minuten und es steht #Falterladen #Luxuszelt“ bekommen.
Das war übrigens schon beim dritten Aufbau…

Wie beim PKW gibt es auch beim Faltcaravan eine Menge interessantes Zubehör. Welche Top-3 Ausrüstungsgegenstände empfehlen Sie für Faltcaravaner?

  • Kühlbox
  • Fahrradträger
  • Unser Küchenmodul

Wir schreiben das Jahr 2025: mit welchen Zeltanhängern reisen Camper in knapp 10 Jahren den Urlaub?

2025 reisen bestimmt viel mehr Camper mit Zeltanhängern, weil die ideal zu Elektroautos passen. Windwiderstand und Gewicht sind da gegenüber dem Wohnwagen sehr vorteilhaft. Die Zeltanhänger selbst werden sicher noch mehr clevere Detaillösungen bieten und vielleicht noch leichter und schneller aufzubauen sein. Vielleicht sehen wir ja neben den klassischen Gestängen auch bei den Zeltanhänger aufblasbare Strukturen.

Letzte Frage, mit bitte um eine kurze Begründung: sollte ein Faltcaravan-Interessent einen Zeltanhänger mieten oder vielmehr kaufen?

Wir werden weiterhin beide Möglichkeiten anbieten. Die Vermietung für Kunden, die das Konzept Zeltanhänger erst einmal ausprobieren wollen, oder keinen Stellplatz für einen Falter zur Verfügung haben. Auch wer sehr verschiedene Urlaube (Fernreisen, Camping, Kreuzfahrten) macht und nur selten einen Falter braucht, ist mit der Miete sicher gut bedient.

Der Kauf hat Vorteile für alle, die häufiger, spontan und ohne lange Vorausbuchung campen gehen wollen. Er ist ist natürlich auch für alle ideal, die ihren Falter mit eigenen Detaillösungen ausgestalten und customizen wollen und eine Beziehung zu „Ihrem Falter“ aufbauen. Schließlich erlebt man über die Jahre ja so einiges gemeinsam.

Uns ist es sehr wichtig, erst einmal gut zuzuhören und den Kunden dann die Lösung zu empfehlen, die wirklich zu Ihren Wünschen und Vorstellungen passt.

Herzlichen Dank Klaus Diederich für die Teilnahme am Interview.

Das Gespräch führte Christopher Schulz, 29.10.2016.