Campingplatz ist nicht gleich Campingplatz. Was für einen Faltcaravan-Neuling für Erstaunen sorgt, löst bei einem Kenner dieser Urlaubsform ein bedächtiges Nicken aus. Campingplätze unterscheiden sich. Beim genauen hinschauen sogar gravierend. Während unserer 3-monatigen Elternzeit haben wir auf den unterschiedlichsten Plätzen Zwischenstation gemacht. Und mit der Zeit verschiedene Grundtypen von Campingplätzen ausmachen können. Welche das genau sind und speziell für einen Faltcaravan geeignet sind verraten wir Dir nachfolgend.

Campingplatz

Camping, immer, und überall

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Was macht einen Campingplatz aus? Seine Lage, der Preis, verfügbare Stellplätze, Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten, Freizeitangebote, Platzregeln, Öffnungszeiten, Zustand und Anzahl der sanitären Einrichtungen, … Die Liste ist lang und ließe sich fast endlos fortsetzen. Und dennoch: es gibt bestimmte Grundtypen, sogenannte Extremformen von Campingplätzen. Auf unseren Reisen haben wir diese immer wieder angetroffen und nachfolgend für Dich in einer kleinen (nicht ganz ernst zu nehmenden) Typologie zusammengefasst.

Hinweis: in den meisten Fällen handelt es sich bei Campingplätzen um Mischformen  der von uns beschriebenen Extreme. Das Gros der Plätze sind für eine Hauptzielgruppe wie Familienurlauber, Wassersport-Enthusiasten, Nationalparkbesucher, etc. angelegt.

Eine kleine Campingplatz-Typologie

1. Campingplatz „Zwischenstopp“
Es ist der Campingplatz für Durchgangsreisende. Abends ankommen, Campingbehausung aufstellen, morgens Abbau und weiter geht die Fahrt. In der Regel befindet sich dieser Typ eines Campingsplatzes nahe an Autobahnen und Bundesstraßen, lässt sich zudem auch Abends noch befahren. Die Abfertigung an der Rezeption verläuft zackig, vorhandene Ausstattung überzeugt mit Pragmatik  und Funktionalität. „Zwischenstopp“-Campingsplätze bieten Dir meist wenig bis gar kein Unterhaltungsprogramm  und bewegen sich preislich im mittleren Segment.

Der KOA Campingground im Osten Denvers ein gutes Beispiels für einen „Zwischenstopp“-Campingplatz. Der Platz liegt direkt im Einzugsgebiet der US-Stadt an einem stark befahrenen Highway. Das Personal verteilt am Abend Ohropax zum besseren einschlafen.

2. Campingplatz „Laubenpieper“
Mit einem Campingplatz „Laubenpieper“ betrittst Du das Hoheitsgebiet der Dauercamper. Diese haben es sich hier gemütlich gemacht, kennen untereinander sehr gut und sind über die Jahre zusammen alt geworden. Auf ihren vollständig unter Holzbrettern und Alublenden vergrabenen Campingbehausungen wächst bereits das Moos.  Das stört sie aber nicht, ihre „Laube“ auch während der Winterzeit heim zu suchen. Die Kosten für einen „Laubenpieper“-Platz liegt zwischen extrem günstig bis exklusiv teuer. Ebenfalls  variiert die Ausstattung und Erreichbarkeit. Pflicht ist die gut bewachte Eingangspforte inklusive Sperrschranke zwischen 22:00h bis 06:00h. Schließlich soll keiner des Nächtens die erholsame Campingidylle stören.

Über 50 Prozent der Gäste des dänischen Campingplatzes Køge & Vallø Camping waren Dauercamper. Für uns als Reisende und Blogger ein Glücksfall: die Internetverbindung war auf Druck der Einheimischen optimal.

3. Campingplatz „Wellneszone“
Wenn es ein Zuhause des Glamour Campings (kurz Glamping) gibt dann liegt dieses definitiv hier: Wellness-Campingplätzen. Diese bestechen mit einer hochklassigen Ausstattung, einem durchgetakteten Unterhaltungsprogramm – und natürlich – sehr hohen Übernachtungspreisen. Finanziell gut ausgestatteten Familien und Golden Agers ab 50+ residieren hier. Natürlich im Campingbus inkl. Anhänger auf dem ein Kleinstwagen oder Motorroller parkiert. Bereits beim Einchecken erhältst Du als der Gast ein unübersehbares Erkennungsarmband häufig in grellen Farbtönen. Mit diesem gelangt Du in den mit Musik untermalten Sanitärbereich sowie (gegen Aufpreis) zum lokalen Swimmingpool und Saunazone.

Klassischer Vertreter für gehobenes Camping ist der Regenbogen-Campingplatz im schwedischen Åhus. Auch Nachts erschallte im WC stimmungsvolle Hintergrundmusik wie in einer Luxusboutique für Lederhandtaschen.

4. Campingplatz „Naturparadies“
„Back to the roots“ könnte das Motto dieses Typs sein. Häufig als Geheimtipp unter Naturfreunden gehandelt, liegt der Platz weit abgelegen im Hinterland, lässt sich mit dem Campinggefährt nur auf Umwegen erreichen. Vielleicht genau aus diesem Grund ergattert Du auch ohne Reservierung immer ein Plätzchen. Ganz ausgebucht sind Camplingplätze der Kategorie „Naturparadies“ nämlich nie. Die Ausstattung ist eher unspektakulär, dafür punktet der Platz mit Reisekassen-verträglichen Preisen und einem Naturspektakel in direkter Nachbarschaft.

Ebenfalls in Dänemark liegt das Møns Klint Resort, ein gutes Beispiel für einen naturnahen Campingplatz. Für Liebhaber der Kreidefelsen in Rügen ist der Besuch inkl. Camping ein Muss.

5. Campingplatz „Privatparzelle“
Auch Pseudo-Campingplatz genannt, liegt der Typ „Privatparzelle“ im Vorgarten einer (mehr oder weniger geschäftstüchtigen) Privatperson.  Diese Kategorie einer Campinglokation zeichnet sich durch sehr wenige Stellplätze aus, verfügt aber dennoch über die zum Camping erforderliche Basisausstattung. Die Preise bewegen sich im Mittelfeld. Unterhaltungsprogramm wie Mini-Golf oder Tischtennis sind eher die Ausnahme als die Regel. Ein Manko ist die fehlende Sicherheit, meist liegen diese Plätze offen zu Hauptstraßen. Größte Herausforderung besteht im Finden von Privatparzellen. Nicht immer sorgen die Vermieter (bewusst?) dafür, dass ihr Platz in den öffentlichen Verzeichnissen und Touristenkarten gelistet bzw. im Internet vertreten ist.

Während einer unserer Norwegenreise hatten wir uns verspätet und mussten auf einen Ersatzcampingplatz des Typs „Privatparzelle“ zwischenparken. Leider haben wir jegliche Spur des Platzes verloren, auch im Internet lässt er sich nicht mehr auffinden.

6. Campingplatz „Stadtgrünstreifen“
Worin besteht beim Städtetourismus die ultimative Alternative zum Hotel? Genau: der städtische Campingplatz, hier „Stadtgrünstreifen“ genannt. Doch eigentlich ist das Wort Campingplatz eher  eine Beschönigung. Auf einer urbanen  Wiese stapeln sich häufig die Campingbehausungen, Städtetouristen urlauben dicht an dicht.  Kein Wunder, liegen die Mietkosten für die Fläche in Schlagdistanz zur City auf einem sehr hohen Niveau. Bei (den durchgereichten) hohen Preisen und mittelmäßiger Ausstattung glänzt ein Platz dieser Kategorie mit der Anbindung zur Innenstadt per öffentlichen Nahverkehr. Großer Nachteil: zu Hauptreisezeiten sollte man früh reservieren um auch in der Stadt in den Genuss des Campingurlaubs zu kommen.

Besucht einVollblutcamper die schwedische Hauptstadt Stockholm, so kann dieser auf dem Bredäng Camping Stockholm übernachten. Uns war der Platz  zu teuer und zu eng, so dass wir eine Ausnahme machten und gegenüber unserem Faltcaravan fremd gingen: Übernachtung in einem Hotel.

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Fazit

Welcher der vorgestellten Campingplatztypen ist nun besonders gut  für einen Faltcaravaner geeignet? Nach unseren Erfahrungen eigentlich jeder. Immer in Abhängigkeit des Reisezieles welches man gerade verfolgt und die Übernachtungsvorlieben die man pflegt. Mit einem Zeltanhänger findest Du auf jeden der Plätze ein gutes Zuhause.

> Auf welchen der vorgestellten Campingplatztypen übernachtest Du am liebsten und warum? Diskutiere mit und hinterlasse einen Kommentar!