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Abenteuer Zeltanhänger

Drei Monate im Faltcaravan – das große Camp-let Classic Review

Zwischen Mai und August 2015 waren wir drei Monate mit dem Faltcaravan Camp-let Classic in Skandinavien unterwegs. In diesen 80 Reisetagen konnten wir den Falter des gleichnamigen dänischen Herstellers intensiv auf Herz und Nieren prüfen. Unsere Erfahrungen mit dem Faltcaravan-Modell fassen wir  in diesem Camp-let Classic Review zusammen.

Camp-let Classic

Das Camp-let Classic Review – Hintergrund

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Wir, dass sind 2 Erwachsene mit je über 30 Jahren Campingerfahrung und ein 10-monatiger Sohn. Bis 2014 waren wir in verschiedenen Teilen der Welt ausschließlich per Zelt campen. Hauptgrund auf einen Faltcaravan umzusteigen war das Kind. Dieses sollte nicht direkt auf den Boden schlafen und tagsüber auf einem überdachten und warmen Fleckchen spielen können. Ein Wohnwagen schlossen wir aus, da unsere Zugmaschine zu schwachbrüstig und die Tiefgarage zu eng waren.

Anfang 2015 entschieden wir uns für einen neuen gebremsten Camp-let Classic, da 4 Personen erhoben auf dem Anhänger nächtigen können, der zugeklappte Trailer vor Wetter und Dieben geschützt ist und das Preis-Leistungsverhältnis unserer Meinung nach stimmte. Bewusst wählten wir das Modell Classic gegenüber Basic+, da dieses später mit Vorzelt, Sonnensegel und Seitenkabine ergänzt werden kann.

Bis zum Beginn unserer Reise waren wir in Sachen Faltcaravan grün hinter den Ohren. Keiner von uns hatte Erfahrung im Reisen mit einem Anhänger, ganz zu schweigen von einem Falter. Bis Ende August 2015 sollten wir unsere Neuanschaffung insgesamt 6.000km quer durch Skandinavien ziehen. Unsere Reise umfasste 75 Übernachtungen mit 15x Auf- und Abbauvorgänge auf 15 verschiedenen Campingplätzen. In Punkto Wetter erlebten wir die Bandbreite von 8°C bis 35 °C, durchlebten im einseitigen Klapper Starkregen bis sturmartigen Wind. Im Folgenden unser Review-Urteil.

Gut, aber nicht perfekt – der Anhänger

Der Camp-let Classic rollt auf einem Knott Anhänger. Zugeklappt misst die Basis 323x160x95cm (LxBxH), besitzt eine Stützlast von 50kg und eine zulässige Gesamtmasse von 500kg. Inklusive unserer Ausrüstung und Deichselkasten schätzen wir das Gesamtgewicht auf 400kg. Bei einem Tempo bis max. 100 km/h lief der Anhänger sehr ruhig, ließ sich gut manövrieren und bremste bei Bedarf entschieden ab. Dem Zugfahrzeug (einen Subaru Trezia) bescherte er einen Diesel-Mehrverbrauch von unter 0,5l pro 100 zurückgelegten Reisekilometer.

Camp-let Classic

Angekuppelter Camp-let Classic Anhänger

Für Konfusion sorgte das etwas schmächtig wirkende Klappschloss zum Öffnen und Schließen des Faltzeltes. Beim Aufsperren muss das Schloss gegen Uhrzeigerrichtung erst aufgeschlossen und dann entriegelt werden. Hier hätten wir uns einen kleinen Pfeil mit den richtigen Drehrichtungen gewünscht. Den Stromstecker mussten wir nach nur acht Ankuppelvorgängen auswechseln lassen. Die Pins des Steckers hatten sich verschoben, der Kontakt zum Zugfahrzeug war unterbrochen. Nach Reklamation beim Händler, erstattete uns schließlich Camp-let die Reparatur- und Materialkosten.

Etwas unsicher waren wir mit bereits von Beginn an bestehenden Rostansätzen an den Gasfedern und Scharnieren. Camp-let versicherte uns, dass es sich bei den beobachteten Flecken um Flugrost handelt der keinerlei Auswirkung auf die Funktionen des Faltcaravans haben würde. Ein kurzes Abwischen ließ die Rostschicht nicht verschwinden, erst nach mehrminütigem Polieren stellte sich der Erfolg ein.

Solider Schutz vor Wind und Wetter – das Zelt

Unserer ersten Auf- und Abbauvorgänge des 569x400cm (LxB) messenden Zeltes vollzogen sich etwas ungeordnet. Da unserem Camp-let Classic die Bedienungsanleitung fehlte(!), handelten wir nach dem einfachen aber wirksamen Prinzip “Probieren, geht über studieren”. Das führt zum Ziel (aufgebauter Falter), kostete jedoch Zeit und Nerven. Nach über 15 Auf- und Zuklappübungen sind wir nun Meister in der Disziplin Camp-let. Für den in keinem einzigen Camp-let Anleitungsvideo thematisierten Abbau empfehlen wir übrigens die Hilfe einer zweiten Person. Diese unterstützt das finale Schließen des Anhängers. À propos Abbau: wird der Falter im Regen zusammengeklappt, sammelt sich das Wasser im Anhänger und damit im Schlafbereich. Umfangreiche Trockenmaßnahmen sind anschließend notwendig.

Camp-let Classic

Außenansicht eines bewohnten Camp-let Classic

Steht das Zelt der Firma Isabella vollständig nach rund 20min, erstrahlt dieses zurückhaltend hell- und dunkelkgrau. Seine Form erinnert an Bauhaus, gerade und klare Linien. Für unseren Geschmack vielleicht etwas zu monoton, entspricht dieser Stil doch den vielen anderen Wohnwagenvorzelten auf den skandinavischen Campingplätzen. Mit den Befestigungsheringe und Spannleinen lässt sich das Zelt problemlos fixieren. Den bei >30 Kunststoff- und Stahlheringen überaus nützlichen Gummihammer hätte der Hersteller beilegen sollen.

Die gut verarbeiteten Reis- und Klettverschlüsse des Zeltes halten, was sie versprechen. Speziell an den beiden Eingängen sind sie stabil und robust dimensioniert. Was die Zeltplane angeht sind wir zweigeteilt. Zum einen ließ der gut verarbeitete Acryl uns nach drei Tagen fast ununterbrochenen Dauerregen nicht im Stich. Zum anderen lösten sich an einigen Nahtstellen bereits nach drei Zelttage die Nähte. Auf Anfrage meinte der Händler, es handle sich um gewöhnliche Industriereste die uns nicht stören bräuchten.

Behagliches Wohnen inklussive – der Innenraum

Im 18qm große Zeltinneren wohnt es sich hell und gemütlich. Für ausreichend Belüftung sorgen vier gut verschließbare Fenster, bei großer Hitze können zudem drei der vier Wände herausgetrennt werden. Damit gleicht der Camp-let dann einem Pavillon in dessen Schatten Camper gut durch heiße Tage kommen. Praktisch für uns die Kabinenblende mit ihren verschiedenfarbigen Taschen. In ihnen lässt sich allerlei Kleinzeug wie Autoschlüssel oder Handy-Ladekabel verstauen. Hingegen entpuppten sich die Druckknöpfe zur Befestigung der Blende als wenig praxistauglich. Zwei der Knöpfe zersprangen beim Zusammenfalten.

An der frischen Luft lässt der Hunger nicht lange auf sich warten. Der Camp-let kommt mit einer 90° ausschwenkbaren Küchenblock aus Kunststoff und Aluminium, welcher auch im zusammengefalteten Zustand des Zeltes genutzt werden kann. Die Küche ist solide verarbeitet, lediglich die Magnete der beiden Fächer mussten wir nach 6 Wochen erneut ankleben. Versorgt wird die Kochstation durch einen 13l Frischwasserkanister der über eine batteriebetriebene Pumpe Wasser in eine Kunststoffschale pumpt. Ergänzt wird das Ensemble durch einen 3-flammigen Stahlgasherd. Auch hier steht die Brennmaterial separat.

Camp-let Classic

Innenansicht eines Camp-let Classics. Rechts zu sehen der Küchenblock

Neben einem gutem Kochplatz ist die trockene und warme Schlafstätte ein weiterer gewichtiger Vorteil von Zeltanhänger. Der Camp-let erfüllt diesen Anspruch voll und ganz. Auf für den Anhänger maßgeschneiderten 200x140cm Kaltschaummatratzen schläft es sich vorzüglich, einen Unterschied gegenüber zu Hause konnten wir nicht feststellen. Die zwei umgebenden Schlafkabinen sind aus Baumwolle, spenden Wärme und lassen sich auch als Rückzugsraum nutzen. Matratzen und Kabinen lassen sich minutenschnell abnehmen und anschließend waschen. Bei einer der Reinigungsaktionen ging leider einer der Kunststoffhaken zu Bruch, hier hätten wir uns strapazierfähigeres Material gewünscht.

Fazit

Würden wir nun nach 80 Tagen Reise den Camp-let Classic noch einmal kaufen? Höchstwahrscheinlich ja. Höchstwahrscheinlich, da wir zunächst vergleichbare Zeltanhänger des Typs einseitige Klapper mit verschließbaren Deckel in Augenschein nehmen würden. Während der Inspektion würden wir uns dann stärker auf die Verarbeitung und Qualität der verbauten Materialien, die Gesamtauf- und Abbauzeit sowie den Hersteller-Service der Alternativen konzentrieren.

> Du bist ebenfalls Besitzer eines Camp-let Classics? Teile uns Deine Erfahrungen mit diesem Faltcaravan-Modell per Kommentar mit!

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8 Kommentare

  1. Sehr interessantes Thema! Aufregend!

    • Hallo Leser,
      herzlichen Dank für Deine positive Rückmeldung. Tatsächlich planen wir einen weiteren Artikel, in welchem wir das Zubehör des Camp-let Classics genauer unter die Lupe nehmen. Viele Grüße, Christopher

  2. Günther Hoppe

    3. Juli 2016 at 15:17

    Hallo ihr lieben ! Danke für den super Bericht und die Erfahrung . Wir das sind mein Mann und ich und zwei kleine Hunde haben auch eine Camp- let und waren im letzten Jahr in Ungarn am Balaton eine super Reise leicht über die Berge super zu ziehen . Wir haben noch leichte Schwierigkeiten beim auf und ab Bauen aber ich denke das liegt an unserem Alter ( 63 und 67 ) in diesem Jahr üben wir weiter in Italien und hoffen das wir die Tricks bald raus haben . Grüße aus dem hohen Norden

    • Christopher

      3. Juli 2016 at 21:42

      Hallo Frau Hoppe,
      vielen Dank für das Kompliment. Tatsächlich hat Camp-let die Herausforderung mit dem Auf- und Zuklappen erkannt und bietet mit dem Modell 2GO seit diesem Jahr ein spezielles Federsystem an. Dieses soll das Öffnen und Schließen vereinfachen.

      Eine spannende Italienreise. Auf faltcaravaning.net bringen wir weiter Tipps und Tricks zum Umgang mit dem Zeltanhänger.

      Viele Grüße, Christopher

      • Corinna Wenzel-Schwarz

        3. September 2017 at 16:28

        Hallo und guten Tag!
        Dieses Jahr haben wir uns den kleinen Camplet 2go gekauft. Über 25 Jahre lang waren wir mit einem Doppelklapper von Conway ( den hat nun unser Sohn mit Familie übernommen! ) und unseren beiden Kindern unterwegs, haben also mit den Klappfixen einige Erfahrung!
        Für uns zwei Rentner ist der 2go das richtige Modell. Ausreichend Platz für zwei Personen und wenn Besuch kommt, kann man den auch zumindest sitzend, bequem unterbringen!
        Das Federsystem haben wir uns nachträglich in Dänemark einbauen lassen, weil sich die Händler in Deutschland dazu nicht in der Lage sahen! Bei unserem 2go fehlte auch der Ausklappwinkel für das Gestänge an der linken Wagenseite, damit wäre das Ausschwenken der Küche nicht möglich gewesen. Der Einbau des Winkels erfolgte kostenlos, da es sich um einen Fehler des Herstellers handelte. Der Einbau des Federsystems und des Winkels war in einer Stunde erledigt. Die Mitarbeiter von Camplet in Dänemark waren überaus freundlich und zuvorkommend!
        Das Federsystem ist eine lohnende Anschaffung und erleichtert das Auf- und Zuklappen sehr.
        Vier Wochen waren wir unterwegs, bei vorwiegend schlechtem Wetter. Das Zelt hielt auch mehreren Starkregenfällen stand und war relativ schnell wieder trocken.
        Einmal mussten wir bei Regen einpacken. Dazu bedeckten wir die gepackten Wagenseiten innen mit Folien, die wir seitlich ringsherum unter die Matratzen stopften, reinigten die Faulkanten einigermaßen, schüttelten soviel Wasser wie möglich von dem Zelt und klappten hurtig zusammen. Wider Erwarten war am Abend, beim nächsten Aufklappen des 2go, keine Nässe auf Innenzelt oder Matratzen! Eine miteingepackte Stubenfliege überlebte die Prozedur! ;-)
        Ein echter Nachteil des 2go, der Regen vom Dach muss die Frontseite hinunterlaufen, dort befindet sich auch die Tür und wenn man bei Regen mal hinaus möchte, steht man im doppelten Sinne voll im Regen! Wir überlegen uns, über der Tür einen verdeckten Reissverschluss für ein kleines separates Regendach anzubringen.
        Die Beine für die Küche sind recht „schwächlich“ und ein paar Zentimeter länger dürften sie sein, denn nicht jeder Campingplatz ist so gerade und eben wie eine Messehalle!
        Ja, ein Nachteil ist, dass es keinerlei „Papierkram“ gibt, weder für das Klappen, noch für das Zelt, das sinnvolle Anbringen des Bodens, nicht für das Zusammenpacken oder Bepacken, noch für Herd, oder die Wasserversorgung (die wir ganz toll finden)! Man muss sich selbst erarbeiten was, wie und wo sinnvoll und richtig ist! Schade eigentlich!
        Wir haben uns mehrere Zusatzstangen geleistet. Eine Garderobenstange, eine Dachmittelstange und eine für die elektrische Lampe, die wir recht sinnvoll finden. Der Lampenschirm wurde uns nicht mitgeliefert und wir hoffen, das sperrige Teil kommt auch nicht mehr, da gibt es Besseres, klapp- bzw. faltbar!
        Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit unserem Kauf. Andere Klappzelte für zwei Personen konnten uns weder preislich noch vom Aussehen her überzeugen!

        Freundliche Grüße von C. Wenzel-Schwarz

        • Hallo Corinna,
          herzlichen Dank für Deinen umfassenden Erfahrungsbericht. Dieser ergänzt unseren 2015 veröffentlichten Bericht um viele Aspekte. Beste Grüße, Christopher

  3. Hallo Christopher, nach dem wir mehrere Jahre einen camp let classic bzw. Vorgänger concorde mieteten, haben wir nun im vergangenen Jahr einen 2 Jahre alten Camp let classic gebraucht in Dänemark gekauft. Nach verschiedenen Urlauben im Mietwohnwagen und gemietetem Rechts-Links-Klapper (Roadmaster) sind wir mit Komfort und Handling des Camp let sehr zufrieden. Mit 4 Kindern haben auch wir genügend Platz für 6 Personen in unserem Falter. Die angezippte Gästekabine macht es möglich. Im Camp let übersteht man auch mal ein paar Regentage. Zu dem haben wir auch die Möglichkeit, noch 4 Fahrräder auf dem Deckel zu transportieren. Selbst die 6 Stühle, den großen Campingtisch, die Zeltstangen und die Kopfkissen finden noch Platz und fahren im geschlossenen Hänger mit. Unserer Meinung nach zu empfehlen ist das Sonnendach Living, dass das Campen mit dem classic doch sehr angenehm macht. Deine Ausführungen zum werkseitig enthaltenen Bugrad ist zuzustimmen. Dieses geht gar nicht. Zum Glück hatten die Vorbesitzer unseres Hängers hier schon ein ordentliches Bugrad angeschafft. In einem anderen Beitrag hast Du auf den Kunststoffboden verwiesen. Hier haben wir alternativ für rd. € 60 eine Bootspersenning bei Ebay gekauft, die den gleichen Zweck erfüllt. Diese Plane musste nur noch zugeschnitten werden. An der dem Hänger zugewandten Seite können wir die Plane an den Ösen der Persenning mit Kugelspannhaken (von Berger) am Hänger befestigen. Ein kleineres Problem hatten wir mit Feuchtigkeit unter den Matratzen um so mehr bei kühlem Wetter, wenn man die Lüftungsöffnungen über Nacht geschlossen hält. Hier mussten wir im Urlaub die Matratzen anheben und den Boden doch länger trocknen lassen. Ein kleiner Heizlüfter, den wir immer mit haben, hat dabei gute Dienste geleistet. Allerdings haben wir bislang noch keine Lattenroste. Angesichts unserer übrigen Zuladung wird es mit zwei Lattenrosten für beide Kabinen sicher eng. Hier wären wir über ein paar hilfreiche Tipps dankbar. Alles in allem sind wir überzeugte Klappfix-Urlauber. Oft passiert es uns, dass Leute uns wegen des Hängers ansprechen und sich wundern, wie viel „Wohnen“ und Komfort aus so einem kleinen Hänger gezaubert wird.
    Schöne Grüße

    • Hallo Anke,
      wir danken Dir für Deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Nach 2 Jahren auf Tour, raten auch wir von den hölzernen Camp-let Classic Lattenrosten ab. Dagegen sprechen aus unserer Erfahrung: 1. der hohe Preis, 2. das geringere Stauvolumen im Anhänger, 3. ein umständlicheres Zuklappen als ohne Lattenroste 4. Probleme bei Feuchtigkeit. Holz schimmelt sehr schnell.

      Auch uns sprechen Camper regelmäßig überrascht auf unseren Klappfix an ;)

      Viele Grüße vom Campingplatz Seewiese,

      Christopher

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